Phänologische Beobachtungen

Welche Pflanzen wachsen in der eigenen Umgebung? Wann genau blühen die Blumen? Wie lange blühen die Blumen? Welche Rolle spielt dabei das Klima und der Klimawandel?

Die Beobachtung von phänologischen Prozessen und Erscheinungen bietet eine wertvolle Möglichkeit, den Klimawandel und dessen Folgeerscheinungen sichtbar und erfahrbar zu machen (Nordt et al. 2021). Im mAc-Format Phänologische Beobachtungen beschäftigen sich die teilnehmenden Schüler_innen über einen längeren Zeitraum hinweg mit genau diesen Fragen. Sie stellen eigenständig Beobachtungen an und sammeln über ein Schuljahr hinweg Daten zu bestimmten Pflanzen in ihrem eigenen Umfeld, was wiederum dem Ansatz des forschend-entdeckenden Lernen entspricht (Rinschede 2007).

Im Sinne der Transdisziplinarität (Scholz und Steiner 2015) bekommen die Schüler_innen die Möglichkeit in Kontakt mit Expert_innen der Universität Wien bzw. des botanischen Gartens Wien zu treten oder auch mit „Gleichgesinnten“, also Schüler_innen aus anderen Schulen. Die Vernetzung von teilnehmenden Schüler_innen aus ganz Österreich mithilfe eines digitalen Forums bietet nicht nur die Möglichkeit des Erfahrungsaustauschs und der gegenseitigen Unterstützung, sondern auch die Möglichkeit einen Vergleich der phänologischen Phasen an den unterschiedlichen Standorte anzustellen. Das lässt einen Schluss auf den Einfluss der jeweiligen klimatischen Verhältnisse auf die Pflanzenwelt zu. Um die eigenen Daten in ein größeres Bild zu setzen, können die Beobachtungen der Schüler_innen in das internationale Forschungsprojekt PhenObs eingebunden werden.

Das mAc-Format Phänologische Beobachtungen besteht aus verschiedenen Phasen:

Das mAc-Format Phänologische Beobachtungen wurde in Zusammenarbeit mit dem Botanischen Garten Wien unter der Leitung von Herrn Prof. Michael Kiehn erstellt. Daher wird neben den Beobachtungen am Schulstandort ggf. auch ein Besuch im Botanischen Garten ermöglicht.

Wie alle Projekte, sind auch für die Umsetzung der Phänologischen Beobachtungen einige Vorarbeiten notwendig. Da sich die Schüler_innen aber auch die Lehrer_innen in den ersten Phasen auf die individuellen Beobachtungen vorbereiten, und eine Beobachtung der Pflanzen erst sinnvoll ist, wenn die Natur zu neuem Leben erwacht, bietet es sich an dieses Format im Frühling, also im Sommersemester durchzuführen.

In Kombination mit den Phänologischen Beobachtungen kann das Anlegen eines Schulgartens für die teilnehmenden Schulen eine wertvolle Aktivität im fächerübergreifenden Projektunterricht darstellen, denn auch dort lassen sich die phänologischen Phasen der Pflanzen über das Jahr hinweg gut beobachten.

Karin Oberauer

Für weitere Informationen steht Karin Oberauer von der UIBK (Universität Innsbruck) gerne zur Verfügung!

Literatur:

Nordt, B. et al. (2021): The PhenObs initiative: A standardized protocol for monitoring phenological responses to climate change using herbaceous plant species in botanical gardens. In: Functional Ecology. 1-14.

Rinschede, G. (2007): Geographiedidaktik. Schöningh, Paderborn, S. 191.

Scholz, R. W.; Steiner, G. (2015): The real type and ideal type of transdisciplinary processes: part I—theoretical foundations. In: Sustain Sci 10 (4), S. 527–544. D

Was bisher geschah…

Pflanzen-Speed-Dating und Klimawandel – wie passt das zusammen?

Unter dem Titel „makingAchange“ sind die Schüler_innen der 2B der HLBLA St. Florian derzeit an einem Projekt des Climate Change Centre Austria beteiligt, in dem sie mit Wissenschaftler_innen der Universitäten Wien (Botanischer Garten) und Innsbruck (Institut für Geografie) zusammenarbeiten. Sie haben dabei die Möglichkeit aktiv an einem laufenden, weltweiten Forschungsprojekt teilzunehmen, in dem es darum geht herauszufinden, ob und wie krautige Pflanzen auf den Klimawandel reagieren.

Die Schüler_innen führen dazu unter fachkundiger Anleitung durch die Forscher_innen und ihre Biologie-Lehrerin sogenannte „phänologische Beobachtungen“ an ausgewählten Pflanzenarten durch. Dabei werden Zeitpunkt des Austriebes, Blatt- und Blütenentwicklung, Entwicklung der Früchte und Samen, Absterben von Pflanzenteilen, etc. an ausgesuchten Standorten über mehrere Wochen dokumentiert. Die Schüler_innen fotografieren und dokumentieren die Veränderungen an den Pflanzen im Zeitraum zwischen April und Juni. Die von ihnen gewonnenen Daten fließen in eine weltweite Datenbank ein und werden zu Projektende mit den Forscher_innen der Universitäten gemeinsam analysiert und interpretiert.

Diese Woche fand der Startworkshop zu dem Projekt in Form eines Online-Meetings der Klasse mit den projektbetreuenden Wissenschaftler_innen statt. Es ging dabei um eine erste Auseinandersetzung mit den Merkmalen der Pflanzen in verschiedenen Wachstumsstadien, die bei einem „Pflanzen-Speed-Dating“ angesprochen wurden. Der Arbeitsauftrag für die Schüler_innen betreffend die sogenannten „Ziel-Arten“ (12 Pflanzenarten, die im Fokus stehen) wurde konkretisiert.

In der Vorbereitung auf den Workshop haben die Schüler_innen der 2B bereits Interviews mit älteren Personen geführt, um herauszufinden welche Beobachtungen diese zu Veränderungen in der Natur in den letzten Jahrzehnten gemacht haben. Dabei war der Tenor eindeutig: Frühere Saat- und Erntezeitpunkte, schneeärmere Winter, längere Trockenperioden auf welche Starkniederschläge folgen oder auch vermehrt massiver Schädlingsbefall – z.B. durch den Borkenkäfer. Alle diese Beobachtungen der Eltern und Großeltern der Schüler_innen decken sich mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen zu den Folgewirkungen des Klimawandels. Sie haben unmittelbaren Einfluss auf die Landwirtschaft.

Mehr darüber und über andere Projekte der HLBLA St. Florian gibt es auf der Facebook-Seite der Schule, Fotos findet man auf Instagram!